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1945 -1957 : Aus der Geschichte unserer Pfarrkirche
15.02.2020 17:58 ( 2545 x gelesen )

Aus der Geschichte unserer Pfarrkirche 1945 bis 1957

Im 2.Weltkrieg wurde unser Dorf - vor allem in der Zeit von September 1944 bis Ende Februar 1945 - durch Kriegseinwirkungen stark in Mitleidenschaft gezogen. Fast alle  Bewohner hatten beim Heranrücken der alliierten Truppen Mitte September 1944 das Dorf verlassen müssen und konnten erst rund ein halbes Jahr später heimkehren. (Pronsfeld wurde am 28.Febr.1945 von amerikanischen Truppen eingenommen.)   Rund 75% der Häuser wiesen nach Ende der Kampfhandlungen starke Schäden auf bzw. waren völlig zerstört. Auch die Pfarrkirche war in einem desolaten Zustand. Das Dach war durch Geschosse durchlöchert und der Regen drang in das Innere, die Verglasung der Fenster war teilweise zerbrochen. Der Hauptaltar mit seinen Gemälden war durch Feuer stark beschädigt, und die Einrichtungsgegenstände wie Bänke, Altäre und Kanzel wiesen Splitterschäden auf, ebenso die Holzkonstruktion der Überdachung des Kircheneinganges. Die Außenmauern waren übersät mit Einschusslöchern von Infanterie- und Artilleriegeschossen. Weil die Kirche nicht mehr zum Gottesdienst genutzt werden konnte, feierte Pastor Loris (von 1941 -1949 Pfarrer in Pronsfeld)  die Ostermesse am 1. April 1945 in der alten Kirche. Auch die Erstkommunion 1946 musste lt. Aussage von damaligen Kommunionkindern noch in der alten Kirche gefeiert werden.

Nur durch den selbstlosen Einsatz von freiwilligen Helfern konnten in der Notzeit nach dem Krieg die  notwendigsten Arbeiten an der Pfarrkirche durchgeführt werden, die in erster Linie zunächst dem Schutz vor Witterungseinflüssen dienten .Es musste verhindert werden, dass  Regen und Schnee weiterhin in das Mauerwerk und das Innere gelangen konnten. Die Gemeinschaftsleistung der Pfarrangehörigen verdient auch deshalb besondere Anerkennung, weil sich damals  alle selbst  in einer großen Notlage befanden: in den meisten Familien gab es Gefallene und Vermisste zu beklagen, viele Männer befanden sich noch in Kriegsgefangenschaft. Auch die eigenen Häuser und Wohnungen mussten wieder aufgebaut bzw. bewohnbar gemacht werden, Felder und Gärten mussten bestellt werden, das Vieh versorgt werden usw. Hinzu kam die Tatsache, dass es überall an Bau- und Reparaturmaterial mangelte. Dieses wurde zunächst notgedrungen aus Trümmern und auch den Hinterlassenschaften des Krieges (Baracken, Bunker, ehemalige Lagerstätten für Pioniermaterial und Stellungsbau usw.) „gewonnen“. So diente auch der sogenannte „Pi -Park“ (Pionierpark) am Bahnhof den Pronsfeldern als Quelle für Baumaterialien, wie Toni Redagne (ehemals Lehrer in Pronsfeld) berichtet.

Schließlich war die Kirche Mitte 1946 so weit hergerichtet, dass wieder Gottesdienste gefeiert werden konnten. Der Holzaufbau des alten Hochaltars mit den Gemälden wurde wegen der starken Beschädigungen durch den bisherigen linken Seitenaltar ersetzt. Sogar die Orgel ertönte wieder.

Wie Dechant Bender in seiner Broschüre über die Pronsfelder Orgel berichtet, erklang die 1936 angeschaffte und durch Kriegseinwirkungen beschädigte und unbespielbar gewordenen Orgel erstmals wieder am 17.Juli 1946 beim Brautamt der Eheleute Grete und Adolf vom Steeg. Der aus Pronsfeld stammende Pastor Adam Faber – ein Onkel der Braut - hatte diese Orgel, die er 1936 seiner Heimatpfarrei gestiftet hatte, als Überraschungsgeschenk für die Brautleute instand setzen lassen.

Anfang der 1950er Jahre wurde unter Pfarrer Dr. Nikolaus Kyll (Pfarrer in Pronsfeld von 1949 -1957) eine umfassende Renovierung des Innenraumes der Pfarrkirche durchgeführt. Die Neugestaltung wird durch einen Vergleich eines Bildes aus den 1930er Jahren und einer Ansichtskarte aus dem Jahr 1954 deutlich.

Das Innere der Kirche in den 1930er Jahren.
Der Kirchenraum nach der Renovierung 1954

Der neue Anstrich in Weiß und zarten  terrakottafarbenen  Pastelltönen betonte die Kuppel sowie die Bögen, die die einzelnen Kirchenschiffe und den Chorraum begrenzen.

Wie erläutert war der ehemalige Hochaltar bereits vor der Generalsanierung abgebaut und durch den linken Seitenaltar ersetzt worden. Der rechte Seitenaltar (Josefsaltar) wurde an die Stirnseite des rechten Seitenschiffes platziert, im linken Seitenschiff befand sich der Marienaltar. Die Kanzel wurde in der rechten chorseitig gelegenen Rundung aufgebaut. Auch einige Heiligenfiguren mussten „umziehen“ und erhielten neue Plätze.

Die Anordnung der Bänke, die auf einem niedrigen Holzpodest standen, entsprach der damals üblichen Sitzordnung: rechts vom Gang  saßen die Männer („Männerseite“) , links die Frauen („Frauenseite“). Vor den Bänken für die Erwachsenen standen Bänke in aufsteigender Größe für die Kinder. Natürlich galt auch hier: links die Mädchenseite, rechts die Jungenseite. Ganz vorne saßen die „Kleinen“, die „Größeren“ besetzten je nach Alter bzw. Schuljahr die folgenden Reihen.  

Beim Betreten der Kirche fiel der Blick vor allem auf das Fresco an der linken chorseitig gelegenen Rundung, das die Gesetzgebung am Berg Sinai darstellte. Der Künstler Paul Magar  (1909 – 2000) aus Godesberg hatte dieses Gemälde 1954 als Referenzwerk geschaffen, das dann auch weitere Aufträge für großflächige Kirchenausmalungen anderenorts nach sich zog.

Dieses farbenprächtige moderne Bild war jedoch Anlass für stark emotional geführte Diskussionen unter den Pfarrangehörigen. Von strikter Ablehnung bis zur begeisterten Zustimmung reichte die Bandbreite. Der Verfasser dieser Zeilen kann sich (Alter damals 10 Jahre) noch gut daran erinnern. Heute ist das Bild zwar noch vorhanden, aber leider überlagert von mehreren Anstrichschichten. (Ob es jemals nochmals freigelegt wird?).

Auch 1954 sind noch Kriegsschäden an der Kirche zu erkennen.
Dieses Foto entstand Anfang der 1950er Jahre. Noch vom Krieg stammende Schäden  sind am Putz und an der Dachbedeckung  deutlich zu erkennen.


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